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Zwischen Kirche und Klampfe – wie Hamburger:innen die Musikgeschichte präg(t)en

Der Barmbeker Bert Kaempfert, komponierte Evergreens für ein Millionenpublikum

Ein Beitrag von Neele Uder/ Musikwissenschaftlerin, Universität Kiel

Dass Hamburg sich musikalisch mit der Weltspitze messen kann, ist schon seit Johannes Brahms keine Frage mehr. Doch wer hätte gedacht, dass Hits wie Strangers in the Night oder Ain’t She Sweet (in der Beatles-Version) aus der Feder eines waschechten Barmbekers stammen? Komponiert wurden sie nämlich von dem am 16. Oktober 1923 in Barmbek-Nord geborenen Bert Kaempfert. Auch wenn dieser nicht immer selbst Interpret seiner Werke war, scheint es doch, als hätte er zwischen 1940 und 1970 seine Finger überall mit im Spiel gehabt. Mit sechs Jahren bekam Kaempfert sein erstes Klavier – und von da an konnte ihn nichts mehr von seiner Musik trennen. Auch im Krieg verließ ihn seine musikalische Tüchtigkeit nie, selbst eine Gefangenschaft ihn Dänemark konnte ihn nicht davon abbringen, seine erste Big Band „PIK ASS“ zu gründen. 

Nach dem Krieg schließlich wieder im Hamburg ansässig, gewann Kaempfert spätestens mit dem internationalen Hit Die Gitarre und das Meer, gesungen von Freddy Quinn, die Herzen seiner Zuhörer.

Auch für Ivo Robic komponierte Kaempfert einen Welthit: Morgen.

Ebenfalls in das Vergnügen von Kaempferts musikalischem Erfolgsgespür kam Weltstar Elvis Presley – für ihn arrangierte er das Volkslied Mus i denn zum Städtele hinaus und benannte es um in Wooden Heart. In Amerika schlug der Barmbeker vor allem mit seinem Hit Wonderland by Night ein.

Es ist kaum zu glauben, aber auch bei den Beatles – damals noch den Beat Brothers – mischte Kaempfert mit. Zu Beginn ihrer Weltkarriere steht der Hit My Bonnie. Arrangiert von Kaempfert verdanken die Beatles ihren Erfolg nicht unwesentlich seinem guten Gespür für Musik. Ebenfalls zu neuem Glanz verhalf Kaempfert Frank Sinatra – mit seinem unvergleichlichen Strangers in the Night – und Al Martino mit Spanish Eyes. Ebenfalls bekannt von Kaempfert sind die Sounds von A Swingin‘ Safari und Africaan Beat, auch wenn die Namen der Lieder unbekannt sein mögen.

Kaempferts charakteristische, einzigartige Musik ist einfach, aber nicht langweilig. Sie kann im Hintergrund laufen und ist weder penetrant noch aufdringlich. Dennoch ist sie gefühlvoll und ansprechend – ohne zu überladen zu sein. 

Musikalisch sind viele seiner Stücke ähnlich, fast schon minimalistisch aufgebaut. Hört man sich das Stück A Swingin‘ Safari an, lassen sich anhand dessen viele für Kaempfert charakteristische Eigenschaften belauschen.

Begonnen wird mit einem fast schon frechen Motiv einer hohen Tin Whistle aus Blech, auch Schnabelflöte genannt. Begleitet wird sie vom leisen, rhythmischen, mit Besen gespielten Schlagzeug.

Hinzu kommt im nächsten Durchgang eine Gitarre und kurz darauf der Walking Bass. Dieser Bass sorgt vor allem für die kontinuierliche, harmonische Untermalung und zeichnet sich aus durch seine gleichmäßigen, tiefen, gezupften Töne ohne große Sprünge. Als letztes wichtiges Element einer Kaempfert-Komposition stoßen nun die Blechbläser hinzu. Erst nur sporadisch, kurz darauf übernehmen sie den Melodieverlauf. Kurze Akzente setzen Violinen mit einer sprunghaften Abwärtsbewegung, sodass keine Langeweile aufkommt. All diese Elemente ergeben zusammen den Klang, den die Welt an Kaempfert liebt, er verbreitet gute Laune und Leichtigkeit, der man sich einfach nicht entziehen kann.

Das empfand auch die Songwriter Hall of Fame, die ihn 1993 posthum in ihre Reihen aufnahm und ihm so für sein Lebenswerk würdigte. Wer das ebenfalls von Hamburg aus tun möchte, muss sich gar nicht auf große Reise begeben: Der Bert-Kaempfert-Platz liegt praktisch vor der Tür beim Barmbeker Bahnhof vor dem Museum für Arbeit.

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