Zwischen Kirche und Klampfe – wie Hamburger:innen die Musikgeschichte präg(t)en

19. Dezember 2020   Sabine Engelhart
Hamburg, Lyrik, Musik  

Stefan Gwildis, geboren in Barmbek Süd

Ein Beitrag von Neele Uder / Musikwissenschaftlerin, Universität Kiel

Der Hamburger Musiker Stefan Gwildis kam in der Finkenau zur Welt, der Reifenhandel seines Vaters Harry lag in der Süderstraße. Zur Musik gekommen ist Gwildis über seinen Vater, der im Laufe der Jahre immer wieder Platten von Ella Fitzgerald oder Sammy Davis geschenkt bekam. Diese liefen im Hause Gwildis zusammen mit Platten von Hildegard Knef – und prägten so den noch jungen Gwildis. Die erste Gitarre gab es mit 15, das Spielen und das Singen brachte er sich selbst bei. 

Gwildis erinnert sich an einen ganz besonderen Moment seiner Jugend auf Pellworm, er hatte gerade die Spitze einer Düne erklommen. Da wurde ihm klar: er möchte etwas mit Musik machen. Das hat auch funktioniert und er betont, die Musik sei immer das Wichtigste in seinem Leben gewesen. Sie sei eben nicht nur Mittel zum Zweck, nicht nur zum Geld verdienen sondern absolutes Heiligtum. 

Geld, um seine Kunst ausüben zu dürfen, verdiente er u. a. als Lagerarbeiter, LKW-Fahrer oder Grubengräber. Auch am Thalia-Theater war Gwildes schon tätig. Dort spielte er verschiedene Rollen und absolvierte eine Ausbildung in Fecht- und Stuntszenen. 2013 bekam er den goldenen Jazz Award vom Sony-Music-Label 105 Music für sein AlbumDas mit dem Glücklichsein verliehen, das zusammen mit der NDR-Big Band entstand.

Seinen Werdegang als „Weg“ bezeichnen würde Gwildis nicht, er habe sich von Projekt zu Projekt gehangelt und gewissermaßen die „Salamitaktik“ verfolgt. Wichtig im Leben ist für ihn die eigene Intuition – sich selbst fragen, was man wirklich möchte und dann auch darauf hören. 

Der gebürtige Barmbeker, der sich schon 2003 mit seinem Album Neues Spiel die Goldene Schallplatte sicherte, weiß die Weihnachtszeit auf ganz eigene Art zu versüßen. Auf einiges musste in diesem Jahr verzichtet werden, vieles ist anders. Wen die Adventszeit dieses Jahr in eine eher trostlose Stimmung versetzt, der sollte unbedingt auf der Facebookseite von Stefan Gwildis vorbeischauen.

Auch wenn er, wie viele andere Künstler, nicht persönlich für seine Fans da sein kann, hat er doch etwas vorbereitet. Ein Adventskalender – jeden Tag eine kleine Überraschung, auch für diejenigen, die in diesem Jahr sonst kein Türchen öffnen dürfen. Mal sind es Gedichte, eine Weihnachtsgeschichte oder doch ein kleiner, mit einem Augenzwinkern gegebener Küchentipp – Langeweile kommt nicht auf mit diesem digitalen Weihnachtscountdown. Ein kleiner, täglicher Lichtblick in dieser oftmals tristen Zeit.

Doch das war noch nicht alles. Bereits am 13. November veröffentlichte der 62-Jährige seine neue Single: Weihnachten – ich komm, die mit beschwingtem Sound auf besinnliche Tage einstimmt.

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Wer demnächst den ein oder anderen Weihnachtseinkauf bei Budnikowski tätigt, sollte die Ohren spitzen! Der Weihnachtssong wird dort als Hamburger Original noch einige Zeit zu hören sein und für einen stimmungsvollen Einkauf sorgen.

Wer Gwildes selbst über seinen Werdegang sprechen hören möchte, kann das im Moin Haspa Podcast (Folge: 26.11.2020) tun und so vielleicht etwas Abwechslung in Autofahrt, Homeoffice, Kochen oder Wäschefalten bringen.

Verwendets Foto Stefan Gwildis Credits: Heimat2050