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INSIDE: Barmbeks Bohemians auf Kampnagel

7. Mai 2017   Cindy Hutabarat   Musik  

Seit 2016 wächst beim Kampnagel mitten in Barmbek eine junge Kreativschmelze um das Projekt Migrantpolitan. Der syrisch-stammige Allrounder Anas Aboura ist Kurator beim Kampnagel, Deutschlands größte freie Spiel- und Produktionsstätte in Hamburg, die zu den international bedeutendsten Bühnen für darstellende Künste zählt.

Mit gnadenloser Eigeninitiative und dem Social Network zieht der Philantrop Anas Kunstschaffende in allen Disziplinen heran.
Darunter Highlights wie die Elektro-Band Shkoon
Shkoon Sound Cloud Link

Illustratorin und Tattooistin Hanadi
Offizielle Hanadi Website
Hanadis Garage auf Instagram

die Hamburger Grafik-Designerin Razan Sabbagh
Razan Sabbagh auf Behance

Interior-Designer und Illustrator Rabea Alsayed
Offizielle Website von Rabea Alsayed

… und eine Unzahl an Kunstschaffenden (Musiker und Literaten).

Ganz einfach ergibt es sich: Anas Aboura folgt einem Tipp. Ein Freund von einem Freund von einem Bekannten kennt jemanden, der einen befreundeten Musiker hat, der zufällig aus Syrien stammt. Herrlich unkonventionell und mit einer Offenheit zur Kunst – ganz im Sinne des Migrantpolitan.

So entstand auch das relativ junge Format „Still Alive – Syrian Diasporic Sounds“, das seit dem letzten Jahr mit Erfolg auf Kampnagel läuft. Die interkulturelle Mischung ist sehr reizvoll, sowohl für Hamburger Hörlustige wie auch für Künstler selbst. Was nicht schon bei den Proben zusammengewachsen ist, feiert seine Geburt direkt auf der Bühne.

Razan Sabbagh, Art Director einer Hamburger Werbeagentur und freischaffende Künstlerin, schwärmt von der Zusammenarbeit mit den Musikern. Auf einer überdimensionalen Leinwand malt die Künstlerin direkt vor dem Publikum, nimmt die Atmosphäre aus dem Raum und von den im Vordergrund spielenden Künstlern wahr. Es entsteht etwas Unvorhergesehenes, Ungeplantes. Immer wieder legt die Künstlerin an und malt hauttonfarbene Akzente in eine lebendige Landschaft, die an eine Stadt in Syrien erinnert. „Ich male, was ich fühle“, so Razan in einem Interview. „Aber ich sehe mich selbst nicht als sogenannte Künstlerin.“


Beim Migrantpolitan geht es um das Miteinander. Vielfältigkeit ist ein Reichtum. Die positive Energie ist spürbar und ihre Protagonisten bleiben authentisch.

Ameen Khayer, Sänger der Hamburger Band Shkoon, ist am Boden geblieben. Seit 2015 tritt er mit seinem Kollegen Thorben Beeken nun gemeinsam auf.

Was seinen Ursprung beim spontanten Jam in einer Hamburger Küchen-WG am Berliner Tor hatte, daraus ist mittlerweile eine Band mit verschiedenen Live-Sets gewachsen, einer Mischung aus Down Tempo und Deep House.

Ameen hat eigentlich zu Hause in Syrien höchstens im Badezimmer gesungen. Heute fügt er den  Elektro-Sounds von Thorben seine Stimme hinzu, die unvergleichlich harmonisch durch den Raum schwingt. Es ist schwer, sich seinem hypnotischen Sound zu entziehen. Die Menge ist begeistert, an Aufhören wird kaum gedacht. Das Leben feiern, Kultur genießen. Arabische Poesie gibt’s obendrauf. – Ein Must Have für  Hamburger: Still Alive – Syrian Diasporic Sounds.

Fotos: Lothar Arnemann