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Fanchon en Mission auf dem Land

4. Mai 2020   Francoise Grimal   Corona, Literatur  

VOYAGES, VOYAGES LES CARNETS DE FANCHON TOUPET: REISEBERICHTE

Francoise:

Nach Unpässlichkeit wegen starker Windböen paddelte Fanchon TOUPET doch wieder mitten im wilden Gewässer, und das im Winter. Als könnte sie nicht auf den Frühling abwarten. Wie immer alles viel zu früh. Wohin es wohl führen würde … 

Aber mit ihr reden, das wusste ich schon längst hilft ja nicht, im Gegenteil. 

Also Kopf einziehen, hoffen, dass es gut geht. 

Aber bei dem stürmischen Hamburger Wetter hatte ich doch berechtigte Zweifel …

Hoffentlich bleibt sie in Barmbek auf den Kanälen, dachte ich. Ihr Drang zur Freiheit könnte sie durchaus auf die Elbe treiben. 

Dann … helfen ihr die Götter, wenn es die gibt …

Ob es die Götter waren, die geholfen haben, weiß ich nicht, aber gemeldet hat sie sich doch wieder. Sie ist auf dem Land. Lange war sie nicht auf dem Landgut, ich auch übrigens. Das ist aber eine andere Geschichte.

Im Dorf ist sie also und hat darüber nachgedacht, wie es nach der Corona-Zeit weitergehen könnte. Ich kann mir vorstellen, wie sie sich vors  Fenster hingesetzt hat mit Blick auf den Hof und folgende Zeilen geschrieben.

Fanchon en Mission auf dem Land:

Notruf und sofort Maßnahmen. Aufruf zum Kampf gegen Ebbe in der Kasse nach Zeiten des Corona Virus

Angesichts der finanziellen Enge werden auf Anordnung des Vorstandes folgende Maßnahmen ergriffen:

  • ab sofort wird eine kollektive Diät gehalten. Die in der Speisekammer vorhandenen Vorräte werden aufgebraucht. Verzehrt werden ausschließlich Produkte der Region, wenn möglich gedünstet, mit wenig Fett. Brot wird selbst gebacken. Fleisch wird aus dem Hof von Bauern G. bezogen und kommt nur an Feiertagen auf dem Tisch. Klares Wasser begleitet die Speisen
  • ab sofort werden zum Sparen von Energie nur noch die gemeinschaftlichen Räume beheizt. Schlafzimmer sind nur zum Schlafen da. Schlafen mit offenen Fenstern ist streng verboten. Bei Kälteempfindlichkeit empfiehlt sich engeres Zusammenrücken aber mit entsprechender schützender Kleidung und mit Benutzung von einer zusätzlichen Decke nach dem Motto“ Wir stecken bei dem Kampf gegen den Corona Virus unter unter einer Decke“, aber jeder schläft unter seiner Decke.
  • Die Küche wird durch Kochen beheizt. Gesellige Abende werden in der Kneipe vor dem Kamin verbracht. Musik und Fernsehen sind streng verboten. Zur Unterhaltung können Bücher aus unserer Bibliothek bei Kerzenlicht vorgelesen werden. Bei sehr strengen Kälte wird gesungen und getanzt Ansonst wird nach dem natürlichen Nacht- und Tagesrhythmus gelebt. Man nehme an den Hühnern ein Beispiel
  • Lediglich die Sauna wird beheizt. Sauna wird zur Stärkung der Abwehrkräfte unserer Mitglieder empfohlen. Geduscht wird nur dort. Ab sofort wird die Küchenuhr dahin verlagert. Geduscht wird in drei-Minuten-Rhythmus. Eine Einführung in wassersparendem Einseifen und Abspülen gibt unser Baumeister P.
  • Baumaßnahmen, die nicht kostenneutral sind, sind streng verboten. Vorhandenes Baumaterial wird aufgebraucht. Bei Behebung von notwendigen Reparaturen am Haus ist Erfindergeist angesagt.
  • Ab den Frühling wird ein großer Gemüsegarten angelegt. Jeder beteiligt sich an den Garteneinsätze. Rückenbeschädigte und Rollstuhlfahrer kümmern sich um die Verwertung der Produkte und deren Konservierung.
  • Zum Anhebung der Stimmung, Pflege der Lungenkapazität und Begleitung der notwenigen Verrichtungen wird gesungen. Gegen zunehmende Steife der Körperglieder wird Frühgymnastik eingeführt. Wenn es nicht hilft, empfehlen sich Putzeinsätze unter Anleitung und Führung von unserer Putzenfee S.. Zur Aktivierung der grauen Zellen führen unsere Spielmeisterinnen G. und M. regelmäßige Spielrunden und Turniere. Damit werden die medizinischen Kosten gedämpft und die Lebenserwartung der Mitglieder erhöht.

Gemeinsam und mit dem Einsatz aller Kräfte werden wir wohl die Karre aus dem Dreck ziehen

Solche Gedanken hatte Fanchon uns vor Jahren unterbreitet. Hätten wir auf sie hören sollen? Wäre es demnächst ein Weg?

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