Grenzenreise1: Kleine Schwester – Große Schwester

 Unter dem Titel Grenzenreise berichte ich an dieser Stelle  in unregelmäßiger Folge über mein Leben zwischen Deutschland und Frankreich. Dabei unterstützt mich Fanchon, die ich im Alter von elf Jahren kennlernte. Fanchon ist nicht nur eine Koseform meines Namens Francoise, sondern eine Figur, die zum ersten Mal im 17. Jahrhundert in einer Anthologie von Trink- und Tanzliedern auftaucht. Nach einem Lied ist Fanchon nicht unbedingt eine Tochter von Traurigkeit. Getauft wurde sie mit Wein. Sie lacht, trinkt und singt gern. Den feinen Speisen zieht sie gegrilltes Fleisch vor. Um ihre Liebe zu werben ist zwecklos, da wird sie grausam. Dagegen kann man ihr gern den Hof machen, um sich mit ihr zu besaufen. Was hat sich bloß mein Vater gedacht, wenn er mir immer wieder dieses Lied sang und mich Fanchon nannte…mehr

Nach der deutschen Version finden Sie den Text in französischer Sprache.

Kleine Schwester – Große Schwester

Guten Abend

manche kennen mich bereits hier, andere nicht, und damit alle gleich behandelt werden, möchte ich mich zunächst vorstellen: Francoise Grimal, ich bin die Schwester von Annie, und mir ist es wichtig zu präzisieren, ihre ältere Schwester, – vier Jahre trennen uns -, ihre große Schwester. Ich möchte unterstreichen, ihre große Schwester. Einverstanden, auf den ersten Blick ist es nicht sichtbar, Annie hat längere Beine, sie läuft schneller, aber heute triumphiere ich. Ich wollte auf keinen Fall den Tag verpassen, an dem sie seinen Eintritt in den Ruhestand feiern wollte. Ich habe also nicht gezögert, bin geflogen über die Grenze, die uns trennt, die deutsch-französische Grenze. Ich weiß, mit Europa, gibt es keine Grenzen mehr, aber vom Flugzeug aus sieht man sie doch die Grenzen und einmal gelandet, so bleiben sie doch präsent.

Ich bin gekommen, weil es mein Triumphtag. Wenn Ihr glaubt, dass Annie feiert, Irrtum, nein, ich feiere. Sie kann so schnell laufen, wie sie kann, mit ihren langen Beinen wird sie mich nicht einholen. Seit drei Jahren arbeite ich nicht mehr, drei Jahre vor ihr, und ich kann Euch sagen, dass es auf der anderen Seite der Grenze nicht selbstverständlich ist, dass es ein harter Kampf war in einem Land, wo das Rentenalter erst mit 65 Jahren erreicht wird und Schritt für Schritt auf 67 Jahre erhöht wird.

Hier in Frankreich spricht man von retraite, Rückzug, on se retire, man zieht sich zurück, battre la retraite, den Rückzug antreten, klingt doch etwas defaitistisch. In Deutschland spricht man von Ruhestand, wörtwörtlich übersetzt un état de repos, de calme. Wenn man diesen Ruhestand überhaupt erreicht mit 65 Jahren bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden und mehr. Erreicht man » cet état de grâce » , spricht man von wohlverdientem Ruhestand. « Bien mérité », sicherlich wird dieser Ruhestand wohlverdient sein, wenn das Rentenalter auf 67 Jahre erhöht sein wird. Viele werden den endgültigen Ruhestand vorher erreicht haben, im Friedhof, wohlverdient oder nicht.

Die Deutschen wussten nicht, dass sie es mit einer Doppelagentin zu tun hatten, einer vorbildlichen Ausländerin. Ich habe mich perfekt integriert, die Klassiker miteingeschlossen. Vielleicht kennt Ihr Goethe, Faust…

Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust

Deux âmes, hélas! Habitent ma poitrine!

Immer zerrissen, déchirés, die Deutschen

Während ich jubele

Zwei Seelen wohnen, youpiihhh! In meiner Brust

 So habe ich sie reingelegt und vorher aufhören können. Es ist mir gelungen und ich triumphiere also, weil ich den Abstand zu meiner Schwester fast habe einhalten können. Ich habe beinahe wieder das Gefühl, die große Schwester zu sein. Wer weiß, vielleicht bin sogar ich um ein paar Zentimeter gewachsen

Und was ist die Lieblingsbeschäftigung einer großen Schwester? Sie neckt die kleine Schwester, sie ärgert sie, erzählt ihr Märchen. Kurz und gut fand ich, dass es der Anlass überhaupt war, sie auf den Arm zu nehmen, « de la mettre en boite »

Beim Recherchieren der Übersetzung des Wortes « boite » ins Deutsche, bei etwas vergleichender Linguistik, bin ich zufällig auf das Lied « Petites boites » de Graeme Allwright gestossen. Ich hatte dieses Lied, ich hatte sogar die Platte und das war nicht zufällig. Ich habe die Platte nicht mehr, aber der gute Graeme Allwright, der die Tochter von Jean Dasté (Anmerkung: Jean Dasté hatte in Saint-Etienne eine Theatertruppe) geheiratet hatte, hat mich nach Saint-Etienne zurückgebracht, zum Theater und von da aus war nur ein Schritt zu meiner kleinen Schwester. Dann kamen die Erinnerungen wieder hoch.

Auf das Thema « boites » werde ich später zurückkommen.

Vier Jahre lang gab es sie nicht meine Schwester. Ich hatte mich in meiner Rolle als Einzelkind gut eingespielt, mit Vati und Mutti, Opa und Oma. Und dann kam sie. Als man sie mir auf den Schoß gelegt hat, habe ich es nicht gezeigt, aber ich war eher gerührt und berührt. Zu dem Zeitpunkt war an mir ein Junge verloren gegangen und ich mochte keine Puppen, aber das war etwas Anderes, da gab es Bewegung, Veränderung, mehr als ich dachte, aber das habe ich erst später erfasst. Ich habe mich eher gefreut. Als sie anfing, mich als Pferd zu benutzen, um ihre sehr frühreifen Reitkünste zu entwickeln, fand ich allerdings, dass sie etwas übertrieb, aber ich hatte die Lage noch im Griff. Ich war die Größere, stand fest auf meinen, zwar etwas kurzen aber soliden Beinen fest. Dann habe ich schnell gemerkt,dass sie sich beeindrucken ließ, dass sie sensibler war als ich. Ab und zu habe ich ihr also Angst eingejagt. Nicht schlimm. Ich lief vor und sie hinter mir, und ich drehte mich plötzlich, lief andersherum und schrie, Ouah, und das klappte. Sie hatte Angst und weinte. Ich tröstete sie dann, ich wollte sie nicht traumatisieren, ich wollte ihr nur spüren lassen, dass ich die große Schwester war.

Dann ist sie krank geworden, einige Komplikationen und dann absolutes Verbot, mit ihr zu schimpfen, ihr, der Kleinen zu widersprechen. Nach zwei Jahren wurde das Verbot vom Arzt aufgehoben. Als wir aus der Praxis herausgekommen sind, ich kann mich daran erinnern, dass sie einen wunderbaren Kükengelben Mantel trug und dass es regnete, wurde aus einem Grund, den ich vergessen habe, nein! zu ihr gesagt und sie hat sich auf den Boden hingeschmissen und gewälzt, dabei laut gebrüllt. Die theatralische Seite des Ereignisses – auch eine frühreife Begabung für Inszenierung, die später zum Vorschein kommen sollte –, diese Schreiarie hat mich damals sehr beeindruckt. Diese Begabung hatte ich nicht. Ich habe geahnt, dass etwas dabei war, sich zu verändern in meinem Verhältnis von großer Schwester zu kleiner Schwester.

Ich glaube, dass es der Anfang ihrer Theaterkarriere war. Ich habe es bereits erwähnt, sie ist in einer in dieser Hinsicht fruchtbaren kulturellen Umgebung aufgewachsen. Saint-Etienne, das war nicht nur Bergbau, Textilindustrie und Manufrance. In kultureller Hinsicht war viel los. Gleichzeitig hat sie an ihrer Stimme gearbeitet. Ich habe bereits erwähnt, dass sie sehr früh an der Entwicklung ihrer Fähigkeiten gearbeitet hat, sie ist eine « travailleuse de fond ». Also nach der Kunst der Inszenierung war sie fleißig bei der Stimmbildung, » formation de la voix » sagen die Deutschen. Bei dem geringsten Widerspruch fing sie an zu brüllen, mit breit geöffnetem Mund, sie wurde von der Familie « bouche carrée » viereckiges Maul genannt, denn sie schaffte es tatsächlich den Mund breit zu öffnen und dabei einen Viereck zu bilden, eine Art Höhle. Ich glaube, dass sie als Vorbild « l’entrée des mines », den Eingang der Bergbaugruben nahm. Versucht es doch, so einfach ist es nicht.

Nichts Schlimmes oder Dramatisches zwischen uns, wir hatten beide einen gesunden Appetit, einen gesunden Körper und Lebensfreude. Wir waren sehr ähnlich, wurde uns gesagt, « ganz nach unserem Vater ». Meine Mutter hat es gut gemeint, als sie diese Ähnlichkeit unterstrich, indem sie uns ähnliche entzückende Kleidchen schneiderte und nähte aus dem gleichen Stoff, wir trugen ähnliche Mäntel und dann nahm sie die Schere, schnitt unseren Pony, setzte damit sozusagen ihre Unterschrift. Umwerfend schön, würden die Deutschen sagen, die Schönheit wirft sie ja um. Aber die kleine Schwester hat die Nase voll gehabt, nicht wegen des Haarschnitts, des Ponys, die ich erwähnt habe, eher wegen der Kleidung. Sie trug nicht nur die Kleidung, die meine Mutter ihr genäht hatte, meiner ähnlich, sondern trug sie, da sie kleiner war als ich, auch noch meine, wenn ich gewachsen war. Nachdem sie ihren Mantel zwei Jahre getragen hatte, trug sie den Mantel, aus dem ich herausgewachsen war, eventuell noch ein Jahr. Drei Jahre das gleiche Kleid und den gleichen Mantel tragen, das ist ja hart und sie hat eine tiefe Abneigung gegen Püppchen Kleidung entwickelt. Sie hat also die Nase voll gehabt, die kleine Schwester zu sein. Sie hat einen Heißhunger an den Tag gelegt. Ich war auch nicht schlecht. Ich habe mich am Anfang rangehalten und das Leeren des Kühlschrankes, der immer voll war, fing bei uns schon beim Frühstück an. Aber sie hat mich weit übertroffen, nicht nur was die Menge der Nahrungsmittel anging, sondern auch die Anzahl der Zentimeter. Ich habe wohl geahnt, dass sie etwas ausheckte.

Dann habe ich gedacht, es sei besser, das Weite zu suchen, weit weg, wo sie mich nicht einholen würde. Ich bin über die Grenze Richtung Norden gegangen. Sie zieht eher der Süden an, und ich habe dann die ideale Stadt gefunden, gut geschützt, in einer Mauer eingeschlossen, Berlin. Da wusste ich, dass sie mich dort nicht aufsuchen würde. Lob der Grenzen. Die Tatsache, dass wir getrennt waren, hat uns näher gebracht. Wir haben uns weniger gesehen, wir haben abwechselnd unsere Rolle gespielt auf der Familienbühne. Das war nicht der Festival d’Avignon, aber Le Forez, das ist auch nicht schlecht, Chenereilles. Wir haben uns immer gefreut, uns wiederzusehen, wenn sich die Gelegenheit bot, dessen bewusst, dass wir auf dem gleichen Mutterboden aufgewachsen waren.

Wer weiß, vielleicht wären wir das infernale Duo geworden, wenn wir in der Nähe voneinander geblieben wären. Denn der Schein trügt und es gibt Unterschiede zwischen uns, die vielleicht zu ernsthaften Konflikten geführt hätten wenn es diese Grenze nicht gegeben hätte. Unser Verhältnis zu Volumen und Raum sind völlig gegensätzlich. Während ich wegwerfe und Platz schaffe, in meinem Leben am liebsten nur einen Rucksack hätte, sammelt sie und füllt die Räume : sie sammelt Kleidung, Flaschen, Gläser und Schachteln, sie liebt ja Dosen, da haben wir das Thema wieder. Eine Sammlerin beschränkt sich aber nicht auf Innenräume. In der Natur sammelt sie Brombeeren, Blaubeeren, Pilzen und, wenn es nicht reicht, gibt es auch den Garten, den man pflegen kann. Und um aufzubewahren, braucht man Behälter jeder Art, Dosen, unter anderen. Bei mir, keine Gefahr, die Dosen würden leer werden und ich würde sie irgendwann wegschmeißen. Stellt Euch dann vor…

Aber seit ich den wohlverdienten Ruhestand erreicht habe, der mir ermöglicht hat, in Frankreich länger zu verweilen, hat mein Verhältnis zu Dosen, Schachteln sich verändert. Ich bin nicht mehr so radikal. Während ich mir jenseits der Grenze mein Loch gebuddelt habe, ist sie in der französischen Realität weiter gewachsen und als ich mich wieder Frankreich zugewandt habe, war sie dann die große Schwester, während ich wieder meine ersten Schritte in der französischen Realität machen musste, ich musste mich umorientieren, wieder Stützpunkte finden. Dann habe ich die Rolle der kleinen Schwester als gar nicht so schlecht empfunden. Und wenn sie nicht alles in die Hand genommen hätte auf französischer Seite, aufbewahrt, gesammelt, gepflegt in all diesen Dosen und Schachteln, dann hätte ich vielleicht einen Teil meiner Geschichte verloren. Wenn man zwischen zwei Realitäten reitet, kann es fatal sein, einen Stützpunkt zu verlieren. Man läuft Gefahr, aus dem Sattel geworfen zu werden . Also letzten Endes die Dosen und Schachteln…

Etwas hatte mich allerdings beunruhigt, als der Zeitpunkt ihres Ruhestandes näher rückte, fing sie an wegzuschmeißen . Sie schmeißt weg, sie schafft Platz. Meine Unruhe ist noch größer geworden, als sie mir ein Photo von der Garage in Chenereilles geschickt hat, leer oder fast. Da wurde mir fast schwindelig. Nein, sie soll damit gar nicht anfangen, das war meine Rolle, wir werden wohl nicht wieder tauschen.

Nun, um sie wieder dazu zu bringen, weiter Flaschen, Gläser zu sammeln, den Garten zu beackern, Gemüse zu sammeln, Obst, Pilse, jetzt wo sie Zeit hat, schenke ich ihr eine Kiste besonderer Art, die vielleicht keinen weiteren Nutzen hat, als eine Ecke in der Garage wieder zu füllen – diese Leere macht mich ja schwindelig – oder die ihr vielleicht neue Perspektiven eröffnen wird, um Gläser, Dosen zu füllen und wenn es nicht reicht auch auch Tütchen. Nein, ich möchte sie gar nicht auf den Arm nehmen, meine Schwester und vor allem, dass sie sich gar nicht verändert, meine große Schwester. Sie soll weiterhin Dosen sammeln, aber unter einer Bedingung, dass sie nicht alle gleich sind

 

Mise en boîte :

De

Greame Allwright

https://youtu.be/2UsZA85Ntb8

à Poing d’Orgue

https://youtu.be/DWdBXj2I84Q

 

https://youtu.be/nvmQ4dM1GUU

 

 

 

 

Bonsoir,

Certains me connaissent ici, d’autres non, et pour mettre tout le monde sur pied d’égalité je vais donc commencer par me présenter. Françoise Grimal, Je suis la soeur d’Annie, et je tiens à le préciser, je suis la soeur ainée, quatre ans nous séparent, sa grande soeur. Je tiens à le souligner, sa grande soeur. D’accord, ce n’est pas visible au premier abord, Annie a les jambes plus longues, elle court plus vite, mais aujourd’hui je triomphe.

Je ne voulais pas le manquer le jour J où elle allait fêter son départ à la retraite et je n’ai pas hésité à prendre l’avion, à passer la frontière qui nous sépare, la frontière franco-allemande. Je sais avec l’Europe, il n’y a plus de frontières, mais vue d’avion, on les voit bien les frontières et à l’atterrissage aussi, elles restent encore présentes.

Je suis venue, parce que c’est mon jour de triomphe, si vous croyez que c’est Annie qui est à la fête, non, c’est moi. Elle aura beau courir avec ses grandes jambes, elle ne me rattrapera pas. Cela fait trois ans que je suis à la retraite, trois ans avant elle et je peux vous dire que de l’autre côté de la frontière, ce n’est pas évident et que cela a été un dur combat dans un pays où l’âge de la retraite est à 65 ans et est progressivement élevé à 67 ans. Ici on parle de retraite, on se retire, battre en retraite, c’est un peu défaitiste, non? en Allemagne, on parle de Ruhestand, on atteint, traduit littéralement, un état de repos, de calme. Si on l’atteint, cet état là, à 65ans, avec des semaines de quarante heures et plus, on parle alors de wohlverdientem Ruhestand. Bien sûr qu’il est bien mérité, quand la retraite sera à 67 ans, beaucoup auront atteint le repos définitif avant, au cimetière, bien mérité ou pas. Mais je ne me suis pas laissée avoir, pas question d’attendre aussi longtemps.

Je suis venue, parce que c’est mon jour de triomphe, si vous croyez que c’est Annie qui est à la fête, non, c’est moi. Elle aura beau courir avec ses grandes jambes, elle ne me rattrapera pas. Cela fait trois ans que je suis à la retraite, trois ans avant elle et je peux vous dire que de l’autre côté de la frontière, ce n’est pas évident et que cela a été un dur combat dans un pays où l’âge de la retraite est à 65 ans et est progressivement élevé à 67 ans. Ici on parle de retraite, on se retire, battre en retraite, c’est un peu défaitiste, non? En Allemagne, on parle de Ruhestand, on atteint, traduit littéralement, un état de repos, de calme. Si on l’atteint, cet état là, à 65ans avec des semaines de quarante heures et plus, on parle alors de wohlverdientem Ruhestand. Bien sûr qu’il est bien mérité, quand la retraite sera à 67 ans, beaucoup auront atteint le repos définitif avant, au cimetière, bien mérité ou pas. Mais je ne me suis pas laissée avoir, pas question d’attendre aussi longtemps.

Ils ne savaient pas bien sûr que je suis un agent double, une étrangère modèle. Je me suis bien intégrée, même leurs classiques. Vous connaissez peut-être Goethe Faust:

Zwei Seelen wohnen, ach! In meiner Brust

Deux âmes, hélas! Habitent ma poitrine!

Toujours zerrissen, déchirés, les Allemands

Tandis que moi je dis

Deux âmes, youpiihhh! Habitent ma poitrine

C’est ainsi que je les ai eu, que j’ai pu m’arrêter avant

J’ai réussi donc et je triomphe donc, car j’ai presque maintenu l’écart avec ma soeur, j’ai l’impression d’être de nouveau la grande soeur. Qui sait, j’ai peut-être même gagné quelques centimètres.

Et quelle est l’occupation préférée d’une grande soeur? Elle taquine sa petite soeur, elle l’agace, elle lui raconte des histoires à dormir debout. Bref, j’avais décidé que c’était l’occasion rêvée pour „ la mettre en boîte „

Oui, c’est en recherchant la traduction du mot boîte en allemand, en faisant un peu de linguistique comparée, que suis tombée par hasard sur cette chanson « Petites boites » de Graeme Allwrigt. Je l’avais cette chanson, j’avais même le disque et ce n’était pas par hasard. Je ne l’ai plus, mais le brave Graeme Allwright, qui a épousé la fille de Jean Dasté, m’a ramené à Saint-Etienne, au théâtre et, de là, il n’y avait qu’un pas, à ma petite soeur et à nos rapports de grande soeur à petite soeur. Et les souvenirs sont revenus. En ce qui concerne les boîtes, j’y reviendrai plus tard. Revenons aux débuts: Lorsque l’enfant paraît…

Pendant quatre ans, elle n’était pas là. Je m’étais bien installée dans mon rôle de fille unique, pendant quatre ans entre papa, maman, pépé, mémé. Et puis voilà qu’elle a débarqué. Quand on me l’a mise dans les bras, je ne l’ai pas montré, mais j’étais plutôt émue et attendrie. J’étais à l’époque plutôt un garçon manqué et je n’aimais pas les poupées, mais ca c’était autre chose, il y avait du mouvement, du changement, – plus que je ne le pensais, mais ca je l’ai réalisé plus tard -, et j’étais plutôt contente. Quand elle a commencé, quand j’étais à quatre pattes, à m’utiliser comme cheval pour développer ses dons d’équitation très précoces, j’ai commencé à trouver qu’elle exagérait, mais enfin je dominais encore la situation. J’étais la plus grande, j’étais bien plantée sur mes jambes, un peu courtes il est vrai, mais solides.

Et puis j’ai vite senti qu’elle se laissait impressionner, qu’elle était plus sensible que moi. Alors, de temps en temps je lui faisais peur. Pas méchant. Nous courrions l’une derrière l’autre, je partais tout d’un coup en sens inverse en poussant un cri, ouah, et, ca marchait. Elle avait peur, elle pleurait. Je la consolais bien sûr, je ne voulais pas la traumatiser, je voulais simplement lui faire sentir que c’était bien moi bien la grande sœur

Puis elle est tombée malade, quelques complications et alors interdiction absolue de la gronder, de la contrarier la « petiote ». Au bout de deux ans, l’interdiction a été levée. A la sortie du cabinet médical, elle était vêtue d’un superbe manteau jaune poussin, il pleuvait. Pour une raison que j’ai oubliée, on lui a dit non et alors, elle s’est roulée par terre en hurlant. Le côté théâtral de l’évènement, – là aussi, un don très précoce de la mise en scène qui allait reparaître plus tard – , ces hurlements m’ont beaucoup impressionnée, c’était un don que, moi, je n’avais pas. J’ai pressenti que quelque chose était en train de changer dans mes relations de grande soeur à petite soeur.

Je crois que c’était le début de sa carrière théâtrale. Je l’ai évoqué auparavant, elle a grandi dans un milieu culturel propice, Saint-Etienne, ce n’était pas seulement la manu, la mine, le textile, le parler gaga (c’est le parler stéphanois, n’aller pas penser qu’ils étaient tous gâteux), il s’en passait des choses sur le plan culturel. En même temps, elle a commencé à travailler sa voix. Je l’ai déjà dit, elle a commencé très tôt à développer ses qualités, c’est une travailleuse de fond. Donc, après la mise en scène, le travail sur la voix, Stimmbildung, formation de la voix, disent les Allemands, Eh bien, elle en faisait de la formation vocale !

A la moindre contradiction, elle hurlait, la bouche grande ouverte, on la surnommait dans la famille „bouche carrée“, car elle arrivait effectivement à ouvrir toute grande la bouche et à former un carré, une espèce de caverne, je crois qu’elle prenait modèle sur l’entrée des mines. Essayez, ce n’est pas si facile. Elle avait alors un souffle et un volume de voix tellement insupportables que mon père la mettait sur le palier. Là elle trouvait dans le couloir une superbe caisse de résonnance, ameutait un peu les voisins, en faisant ses vocalises, puis l’orage se calmait.

Rien de grave ou de dramatique entre nous, nous avions en commun un solide appétit, de bonnes capacités physiques et la joie de vivre. Nous nous ressemblions, disait-on autour de nous, „notre père tout craché“. Ma mère a cru faire bien en soulignant cette ressemblance, Elle nous cousait de ravissantes petites robes dans le même tissu, nous portions les mêmes manteaux et puis elle prenait ces ciseaux et… crac elle nous coupait la frange. C’était pour ainsi dire sa signature. Umwerfend schön, diraient les Allemands, eux, la beauté les renverse.

Seulement voilà, la petite soeur, elle en a eu ras le bol, mais ce n’est pas à la coupe de cheveux et à la frange que je fais allusion, c’est plutôt le côté vestimentaire, car non seulement elle portait les vêtements qui lui étaient destinés, les mêmes que les miens, mais comme elle était la plus petite, elle portait les miens quand j’avais grandi. Le manteau que je portais deux ans, elle en héritait quand j’avais grandi et après avoir porté le sien deux ans, elle portait le mien peut-être encore un an, donc trois ans et toujours le même manteau et toujours la même robe. Je reconnais que c’est dur. Et que cela l’a dégoutée des vêtements de petite fille modèle

Alors, elle en a eu marre d’être la petite soeur. Elle a développé un appétit féroce, je me suis accrochée, le mien n’était pas mal non plus, et nous, le vidage du frigo, qui était toujours bien rempli, il commençait au petit déjeuné. Mais alors là, j’ai été dépassée, elle m’a battue à plates coutures, pas seulement sur la quantité de nourriture, mais en centimètres.

J’ai bien compris qu’elle préparait un mauvais coup. Elle a grandi, grandi, elle m’a dépassé, et elle s’est lancée dans le sport. Finie ma carrière de grande soeur. J’étais devenue la petite soeur et elle, la grande. Il était bien clair que le rapport de forces avait changé.

Alors, je me suis dit qu’il valait mieux que je prenne la tangente, loin, ou elle ne pourrait pas me rattraper. J’ai passé la frontière en direction du Nord. Elle, c’est plutôt le Sud qui l’attire, et moi j’ai trouvé une ville idéale, bien protégée, entourée d’un mur, Berlin. La je savais bien qu’elle n’irait pas m’y chercher. Eloge des frontières! Je crois que de nous être éloignées nous a peut-être plutôt rapprochées. Nous nous sommes moins vues, nous assumions, en nous relayant, notre rôle sur la scène familiale, ce n’était pas le Festival d’Avignon, mais Le Forez, c’est pas mal non plus, Chenereilles. Nous étions toujours contentes de nous revoir quand l’occasion s’en présentait, bien consciente d’avoir grandi sur le même terreau.

Qui sait, nous serions devenues peut-être le duo infernal si nous étions restées proches l’une de l’autre, car les apparences sont trompeuses et il y a de grandes différences entre nous, qui auraient peut-être conduit à de sérieux conflits, s’il n’y avait eu cette frontière. Notre rapport aux volumes et aux espaces, par exemple est tout à fait opposé. Alors que alors que je jette et fait le vide, que j’aimerais avoir pour tout bagage dans ma vie un sac à dos, elle collectionne et remplit les espaces: les vêtements, les bouteilles, les bocaux, et les boites, elle adore les boites, voilà, on y arrive au thème de la boite. Et une collectionneuse ne se limite pas aux espaces intérieurs.

Dans la nature, elle ramasse, les mûres, les airelles, les champignons et puis si la nature ne suffit pas, il y a le jardin, que l’on peut cultiver pour ramasser et pour conserver, il faut des récipients divers, des boites, entre autres. Alors que moi, pas de danger, les boites, elles resteraient vides et je finirais par les jeter. Alors imaginez…

Mais je dois dire que depuis que j’ai atteint den wohlverdienten Ruhestand, je veux dire la retraite, qui m’a permis de séjourner plus longtemps en France, mon rapport aux boites à changé, je ne suis plus aussi radicale. Pendant que je faisais mon trou de l’autre côté de la frontière, elle a continué à grandir dans la réalité française, et quand j’ai fait un retour vers la France, eh bien, du coup, c’était elle la grande sœur, alors que moi, il fallait que je refasse mes premiers pas. J’ai découvert alors que c’était drôlement bien d’avoir une grande soeur, car bien sûr, elle a grandit dans la réalité française, alors que moi j’y étais d’abord un peu paumée, il fallait que je me réoriente, que je retrouve des points d’appui .

. J’ai trouvé que le rôle de petite soeur n’était pas si mal que cela et puis, si elle n’avait pas pris les choses en main du côté français, gardé, collectionné, entretenu, gardé dans toutes ces boites, j’aurais peut-être perdu une partie de mon histoire. Quand on est à cheval entre deux réalités, ce peut-être fatal de perdre un point d’appui et le risque est grand d’être désarçonnée. Alors, je trouve que finalement les boites…

Mais depuis qu’elle approche de la retraite, il y a une chose qui m’inquiète. Elle jette, elle fait le vide. Mon inquiétude a grandi encore quand elle m’a envoyé une photo du garage de la maison de campagne à Chenereilles: le vide ou presque. J’en avais presque le vertige. Ah, non, on ne va pas recommencer. C’était mon rôle, on ne va pas rechanger

Alors voilà pour l’inciter à continuer à collectionner les bouteilles, les bocaux, faire le jardin, cultiver le jardin, ramasser les légumes, les fruits, les champignons, maintenant qu’elle a le temps, je lui offre une boite bien spéciale, qui peut-être n’a aucune utilité, alors elle re-remplira un coin du garage, ce vide me donne vraiment le vertige, ou qui, peut-être lui ouvrira de nouvelles perspectives pour remplir des bocaux, des boites et si cela ne suffit pas, des sachets. Non, finalement je n’ai pas du tout envie de la mettre en boite, ma sœur, et surtout, qu’elle ne change pas ma grande sœur, qu’elle continue à collectionner les boîtes, mais à une condition, qu’elles ne soient pas toutes pareilles